
„Börsenbullen im Duell – New York gegen Frankfurt“
13. Nov. 2025Börsen vor dem nächsten Aufschwung?
September und Oktober gelten bei Anlegern als die schwierigsten Börsenmonate des Jahres. Für den September kann das auch statistisch unterlegt werden: Nur drei Monate, der Juni mit -0,09 %, der August mit -0,24 % und eben der September weisen über im Zeitraum von 1960 bis 2024 überhaut eine negative Wertentwicklung auf. Mit einem durchschnittlichen Verlust von 1,66 % fällt die Monatsperformance im September mit Abstand am schlechtesten aus. Interessanterweise weist der Oktober sogar ein Plus auf, es sind durchschnittlich 0,81 %. Vielen Anlegern ist der Oktober jedoch in schlechter Erinnerung wegen einiger berüchtigter Crashs der Börsengeschichte, wie z.B. der “schwarze Donnerstag” vom 24. Oktober 1929 oder der “schwarze Montag” vom 19. Oktober 1987. Im Jahr 2025 sind die Anleger in diesen beiden Monaten von größeren Rücksetzern verschont geblieben. Lediglich am 10. Oktober verzeichnete die Börse einen Schreckensmoment, als US-Präsident Trump erneut mit Sonderzöllen von 100 % auf Einfuhren aus China drohte und die Märkte in den Keller schickte. Doch schon am Montag darauf war Aufatmen angesagt, da Trump bereits am folgenden Sonntag die Märkte mit einem Post beruhigte, wonach am Ende auch mit China alles gut werden sollte.
Deshalb könnte es sich gerade jetzt lohnen, in Aktien zu investieren. Ab Oktober beginnen nämlich die sieben statistisch guten Börsenmonate! Die positiven Renditen wurden in der Vergangenheit meist zwischen Oktober und April erzielt, während es von Mai bis September galt, Vermögensverluste zu vermeiden. Aber auch wenn es so aussieht, als ob jetzt ein guter Zeitpunkt für Aktieninvestments wäre, geht es uns als Value-Investoren nicht nur darum, durch eine mögliche Jahresendrally zu verdienen oder bis in den April nächsten Jahres von der Saisonstatistik zu profitieren.
Wir fragen uns vielmehr, welche Märkte haben mittel- und langfristig gute Perspektiven? Welche Unternehmen werden davon profitieren? Sind die positiven Aussichten schon in den Kursen abgebildet oder gibt es noch Gelegenheiten, herausragende Unternehmen zu günstigen Bewertungen zu kaufen?
Börse New York – wie stark ist der Bullenmarkt noch?
Die internationale Leitbörse steht in den USA: die New York Stock Exchange. Doch ist dies auch der beste Ort, um in Aktien zu investieren, oder hat Frankfurt mit der Deutsche Börse AG womöglich Besseres zu bieten? Wir haben die wichtigsten Einflussfaktoren untersucht.

Was spricht für New York? Der amerikanische Kapitalmarkt ist für Anleger unbestritten der wichtigste Markt der Welt. Dort sind nicht nur die erfolgreichsten Tech-Firmen inklusive der Magnificent Seven notiert, sondern auch die Marktbreite an umsatzstarken Blue Chips und MidCaps hebt sich weit von anderen Märkten ab. Zudem sind milliardenschwere Investoren in Amerika beheimatet, wie Versicherungen, Pensionskassen, Hedgefonds und klassische Aktienfondsmanager. Allein durch die regelmäßigen Mittelzuflüsse dieser Investoren sind stetig hohe Investitionen in die Märkte gewährleistet.
Doch immer mehr internationale Investoren bekommen Zweifel, ob sich der amerikanische Kapitalmarkt für langfristige Anlagen qualifiziert. Zudem sind auch amerikanische Investoren dabei, ihre im Ausland gehaltenen Investments zu verstärken. Was sind nun die Punkte, die zu diesen Zweifeln führen?
Die US-Regierung versucht den Dollar vorsätzlich zu schwächen. Im sog. Mar-a-Lago Accord wurde im gleichnamigen Anwesen des US-Präsidenten Trump vereinbart, eine Abwertung des US-Dollars durch diplomatische sowie finanz- und industriepolitische Maßnahmen zu befördern, um US-Exporte wettbewerbsfähiger und Importe in die USA weniger attraktiv zu machen. Die diskutierten Maßnahmen reichen von diplomatischen Mitteln, etwa Sicherheitsgarantien als Druckmittel zu nutzen um das Wohlverhalten der Handelspartner zu erreichen, bis zur Drohung mit Zöllen und Handelsbarrieren, sollten die Handelspartner sich nicht an der Schwächung des Dollars beteiligen wollen.
Ausländische Anleger werden zudem von der durch die Trump-Regierung geplante US-Sonderabgabe („Section 899“) aufgeschreckt. Dabei handelt es sich um eine „Strafsteuer“ auf Dividenden und Zinsen für ausländische Anleger von bis zu 20 % zusätzlich zu den bestehenden Quellensteuern. Die Maßnahme zielt darauf ab, ausländischen Investoren, die in den USA investieren, eine zusätzliche Steuerbelastung aufzubürden um damit das Haushaltsdefizit abzubauen. Doch damit nicht genug: Selbst die zwangsweise Senkung von Zinsen auf US-Bonds und deren Laufzeitverlängerung wird in der Trump-Regierung diskutiert. Vertrauen bei Anlegern zu gewinnen sieht anders aus!
Doch auch im Fall, dass alle diese „Folterwerkzeuge“ keine Anwendung finden sind die US-Märkte in vielen Segmenten nicht mehr sehr attraktiv. Schaut man auf die Bewertung von Aktien, so ist diese sowohl im historischen als auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Im Artikel „Geschichte wiederholt sich (nicht)“ stellt die Börsen-Zeitung vom 17. September 2025 fest, dass das historische KGV des S&P 500 mit 25 nur noch 5 Punkte unter dem Wert von 30 vor dem Platzen der Techblase liegt. Aber es liegt auch bereits um 6 Punkte über dem 30-Jahres-Durchschnitt. Ebenso kritisch werden das hohe Kurs/Buchwert-Verhältnis (KBV) gesehen, das mit 5,5 den historischen Höchstwert aus 2000 von 5,5 erreicht hat, sowie das Kurs/Umsatz-Verhältnis (KUV) das mit 3,3 wesentlich höher liegt als vor 25 Jahren bei damals 2,3! Auch das aktuelle KGV des S&P 500 Index bezogen auf die für 2026 erwarteten Gewinne liegt gemäß Bloomberg mit 21,9 sehr hoch und auch KBV und KUV sind mit 5,2 bzw. 3,4 auf hohem Niveau geblieben. Angesichts derartiger Bewertungen lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf andere Börsenplätze.
Börse Frankfurt – ist der Bulle dort etwa noch stärker?
Betrachtet man die internationalen Kapitalmärkte, so muss man zugestehen, Frankfurt spielt nicht in der ersten Liga. Zwar gibt es auch in Europa und in Deutschland bedeutende Investoren wie Versicherungs- und Fondsgesellschaften, die ihnen zur Verfügung stehenden Investitionsvolumen liegen aber deutlich unter den Beträgen, die ihre amerikanischen Pendants verwalten. Die Entwicklung in Deutschland hängt deshalb auch von den internationalen Kapitalströmen ab, je nachdem, ob amerikanische, asiatische oder arabische Investoren unseren Markt für attraktiv halten oder nicht.

Was spricht dann aktuell und vielleicht sogar in den kommenden Jahren für Frankfurt? Beginnen wir mit der Bewertung. Der Deutsche Aktienindex DAX weist laut Bloomberg für 2026 ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 15,4 auf. Das KBV liegt bei 1,8 und das KUV bei 1,2. Das ist ein deutlicher Unterschied zum S&P 500, auch wenn man das dynamischere Gewinnwachstum der amerikanischen Unternehmen berücksichtigt. Fällt der Blick auf Mid- und Small-Caps, werden die Bewertungen noch günstiger. So liegt etwa das KGV des SDAX für 2026 nur bei 12,2 und im Hinblick auf das KBV von 1,1 als auch auf das KUV von 0,6 sind die in diesem Index enthaltenen Unternehmen sowohl im historischen als auch im internationalen Vergleich nahezu unschlagbar günstig bewertet.
Warum ist das so und warum waren deutsche Aktien in den vergangenen Jahren bei internationalen Investoren nicht gefragt? Deutschland steckt seit 3 Jahren in der Rezession und hat im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Man denke nur an die bürokratischen Hemmnisse und die hohen Energiepreise. Zudem bremst die Dollarschwäche die Exporte und angesichts der durch US-Präsident Trump eingeführten Zölle stellt sich die Frage, ob das deutsche Geschäftsmodell als Exportnation künftig noch erfolgreich sein kann. Um wieder in die Spur zu kommen, ist deshalb ein entschiedenes Gegensteuern notwendig. Das versucht aktuell die neue Regierung unter Bundeskanzler Merz. Auch wenn es naturgemäß viele Reibungspunkte zwischen den Koalitionspartnern gibt und Meinungsverschiedenheiten mitunter auch öffentlich ausgetragen werden, so ist doch der Wille zur Einigung sichtbar, um Deutschland wieder nach vorne zu bringen.
Insbesondere vier Punkte geben uns Zuversicht, dass die aktuelle Wachstumsschwäche überwunden werden kann und die wirtschaftliche Dynamik in den kommenden Jahren wieder stärker ausfällt. Dies sind das Sondervermögen für Rüstung und Infrastruktur, der Investitions-Booster für die Wirtschaft, die Mobilisierung von privatem Kapital im Rahmen der Initiative „Made in Germany“ sowie die angestrebte Reduzierung der Energiekosten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
Fazit
Das Duell der Börsenbullen hat einen klaren Sieger: Frankfurt gewinnt. Die Ampeln an den deutschen Aktienbörsen stehen auf Grün. Nicht nur die Saisonkomponente mit den statistisch bevorstehenden sieben guten Monaten spricht für ein Investment in deutsche Aktien. Auch das wirtschaftliche Umfeld verbessert sich. Die neue Regierung unter Bundeskanzler Merz hat viel positives angestoßen um die Konjunktur wieder in Fahrt zu bringen. Davon werden die Unternehmen in den kommenden Jahren profitieren und wir wollen am künftigen Aufschwung teilhaben. In welchen Sektoren und mit welchen Unternehmen dies möglich ist, werden wir in einem späteren Beitrag näher beleuchten.
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